Zeitungsartikel

Quelle: Schubart-Arand, Sylvia: Lieferung von Waffen muss aufhören. Auf unerwartet große Resonanz ist der Vortragsabend „Syrien – Land und Leute“ im Gymnasium gestoßen in Main Post (19. 02. 2017)

Einen Vortrag über „Syrien – Land und Leute“ hielt die Studentin Joud Haj Osman (links) am Karlstadter Gymnasium. Die Vorsitzende des dortigen Fördervereins, Sylvia Schubart-Arand, moderierte die Veranstaltung.
Auf unerwartet große Resonanz ist der Vortragsabend „Syrien – Land und Leute“ im Gymnasium gestoßen, den der Förderverein „Freunde des JSG“ zusammen mit dem Integrationsbeirat der Stadt organisiert hatte.
Referentin Joud Haj Osman, eine geflüchtete Studentin aus Aleppo, stellte den über 100 Gästen, darunter sehr viele Landsleute der Vortragenden, mit einem Bildervortrag ihr Heimatland vor, das mit 185 000 Quadratkilometern etwa halb so groß wie Deutschland ist.

In der Pause ließen sich die Gäste zahlreiche Spezialitäten schmecken, die hier lebende Syrer zubereitet hatten. Danach entwickelte sich eine
lebhafte Diskussion. Sylvia Schubart-Arand, Vorsitzende des Fördervereins, hatte die Moderation übernommen.

2011 lebten in dem Land mit seinen Hauptflüssen Euphrat und Tigris 23 Millionen Bürger, darunter seit 1948 600
000 Flüchtlinge aus Palästina und die 1990 aus dem Irak gekommenen Flüchtlingen.

Seit dem Bürgerkrieg sind neun – manche Quellen sprechen sogar von elf – Millionen Menschen innerhalb ihres Heimatlandes geflohen, fünf Millionen gingen ins Ausland, davon 1,12 Millionen in die EU; circa 716 000 leben aktuell in Deutschland. Vor rund zehn Jahren
lebten in Syrien 74 Prozent Sunniten, jeweils zehn Prozent Christen und Alawiten sowie Schiiten, Drusen, Jesiden und Juden.

Die Sprache ist Hocharabisch, aber im Alltag wird das syrische Arabisch als Dialekt gesprochen, zudem Aramäisch, Westarmenisch, Kurdisch und Tscherkessisch. Im Land besteht Schulpflicht, Berufe werden in Betrieben erlernt. Eine gesetzliche Krankenkasse mit
Pflichtversicherung existiert nicht, die Behandlung in staatlichen Krankenhäusern ist frei, private können sich nur Reiche leisten.

Die Referentin schilderte die Geschichte von der Frühzeit über die Zeit Alexander des Großen bis zur türkischen und französischen Herrschaft.

Die jüngere politische Lage sprach sie weniger an, berichtete nur, dass seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011, der sich aus Protesten gegen die Regierung von Baschar al-Assad entwickelte, rund 470 000 Menschen gestorben, viele vermisst und im Gefängnis sind. Ihre
und wohl auch die Meinung vieler anwesender Syrer: Damit es zum Frieden kommen könne, müssten alle Waffenlieferungen von außen aufhören. „Wir sind alle schuld an dem Dilemma“, so die Referentin.

Ein weiteres Thema war auch die Wirtschaft des Landes: Bis zu einem Drittel der Wirtschaftsleistung hat die mittlerweile weitgehend daniederliegende Landwirtschaft ausgemacht. Vorbei sind die Zeiten, als Touristen sich Städte wie Damaskus oder Aleppo anschauten.

Joud Haj Osman kam auch auf das Thema Integration zu sprechen und stellte auch für sich fest, dass die deutsche Sprache das große Hindernis, aber auch der Schlüssel für die Integration ist. Sie bat um Verständnis, deutsche Bräuche erst kennenlernen zu müssen.

„Fremde können Freunde sein, die man noch nicht kennt“. Damit wirbt in Karlstadt auch der Helferkreis (www.helferkreis-karlstadt.de).

Kommentare sind geschlossen